Von der Idee zur Braufabrik
Die Geschichte der Braufabrik beginnt 2017. An der GV der LägereBräu kreuzten sich die Wege von Dave und Andreas, die beide bereits mit Freunden zu Hause Bier brauten. Flavio Uhlig, David Guntern und Michael Burger als Le fin du fin in Ehrendingen, Andreas als AGBräu im Roggebode in Baden.
Die ursprüngliche Idee war ziemlich überschaubar: Das Hobby sollte raus aus den eigenen vier Wänden. Gemeinsam wollten wir einen geeigneten Raum finden, in dem wir brauen konnten, ohne dafür Küche, Keller und Wohnung in Beschlag zu nehmen.
Eine spontane Blindbewerbung für einen Raum im Oederlin-Areal kam zur richtigen Zeit. In der ehemaligen Oederlin-Giesserei wurden gerade Teile der stillgelegten Hallen zu neuen Ateliers und Gewerberäumen umgebaut. Im Winter 2017/2018 wurden unsere Pläne konkreter – und aus der Idee eines gemeinsamen Brauraums entstand die Braufabrik Baden.
Aus «irgendwo ausserhalb der Wohnung etwas Craftbier brauen» wurde allerdings ziemlich schnell mehr. Die Braufabrik Baden AG wurde ziemlich zackig gegründet.
Viel bauen, irgendwann auch brauen
2018 bestand deshalb zunächst mindestens so sehr aus Bauen wie aus Brauen. Die heutigen Räume wurden in unzähligen Stunden Eigenarbeit eingerichtet und immer weiter ausgebaut.
Mit einem „Crowdfunding“ bzw finanziell eher „Crowdmarketing“ konnten drei 500-Liter-Gärtanks, ein Brauwasserspeicher und eine Erweiterung der Brauanlage angeschafft werden. Danach kamen Kühlzelle und Bar, unsere aus handelsüblichen Wasserrohren selbst gebaute Zapfanlage und nach und nach immer mehr Infrastruktur dazu.
Vieles davon war am Anfang weder vorgesehen noch wirklich notwendig. Eine Winterausleihe der Event-Bar vom TV Ehrendingen hatte da uns geholfen. Aber dieses Muster sollte uns noch eine Weile begleiten.
2019 öffneten wir regelmässig unsere Türen. Aus der Brauerei wurde einmal im Monat ein Brewpub und unsere Biere kamen dort ins Glas, wo sie auch gebraut wurden: direkt aus unseren acht Zapfhähnen.
Das Prinzip ist bis heute geblieben. Unsere Biere brauen wir in kleinen Chargen direkt vor Ort und schenken sie ausschliesslich bei uns aus. Eine Taplist für die Ewigkeit gibt es nicht: Ist ein Bier ausgetrunken, macht es Platz für das nächste.
Vom Hobby zum eigenen Anspruch
Über die Jahre ist vieles professioneller geworden, die Neugier dahinter aber dieselbe geblieben.
Beim Bier bedeutet das für uns nicht, möglichst ausgefallen oder um jeden Preis anders zu brauen. Ein präzise gebrautes klassisches „Helles“ begeistert uns genauso wie ein modernes West Coast IPA. Wir verfolgen neue Bierstile, Rohstoffe und Techniken, probieren aus und übernehmen Neues, wenn es uns überzeugt.
Manches bleibt klassisch, anderes darf sehr modern sein. Entscheidend ist am Ende, dass wir das Bier gerne trinken und mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Vielleicht beschreibt ein Gedanke die Entwicklung der Braufabrik ganz gut:
Es hätte oft viel weniger gereicht. Aber wenn uns etwas interessiert, wollen wir irgendwann wissen, wie gut wir es machen können.
Das galt beim Brauen, später bei der Technik und mittlerweile auch in Bereichen, die wir 2018 überhaupt noch nicht auf dem Radar hatten.
Brewpub, Freunde und Kultur
Die Brewpub Days sind zum festen Mittelpunkt der Braufabrik geworden. Jeweils am letzten Freitag und Samstag im Monat öffnen wir unsere Türen für Bierinteressierte, Stammgäste, Freunde, Familien und alle, die einfach gerne einen geselligen Abend verbringen.
Ein wichtiger Teil davon sind unsere freiwilligen Helfer. Viele stehen seit Jahren mit uns hinter der Bar, zapfen Bier, helfen beim Betrieb und sind längst Teil der Braufabrik geworden. Ohne sie wären die Brewpub Days in dieser Form kaum denkbar – und vermutlich auch nur halb so lustig.
Hinter den Kulissen darf es bei uns durchaus etwas genauer sein. Die Technik soll funktionieren, das Bier richtig gelagert und gezapft werden und die Abläufe sollen stimmen. Vor der Bar soll davon möglichst wenig zu spüren sein. Dort möchten wir die unkomplizierte, persönliche und familiäre Atmosphäre behalten, die seit den ersten Brewpub Days dazugehört.
Auch Kultur wurde mit der Zeit Teil davon. Bereits 2020 waren wir bereit für erste Konzerte im kleinen Rahmen – ein damals ziemlich lästiges Virus hatte allerdings andere Pläne.
2021 fanden schliesslich die ersten Jazznights mit dem Oederlin Jazz Quintett statt. Daraus entwickelte sich die JazzFabrik, die bis heute musiklisch am oberen Ende Jazzkonzerte in die Braufabrik bringt. Mit der JassFabrik kam noch eine zweite Veranstaltungsreihe dazu – mit etwas anderen Karten auf dem Tisch.
2021 stieg, als urprüglicher brauinterssierter Gast, Rodolfo Violi ins Boot der Braufabrik. Bis heute ein Glückstreffer und wichtiger Anker und Macher in der Braufabirk.
Wenn «gut genug» irgendwie nicht reicht
Mit dem Essen haben wir uns über die Jahre ein kleines Luxusproblem geschaffen.
Eigentlich braucht ein Brewpub keine ambitionierte Küche. Gutes, unkompliziertes Essen zum Bier würde vollkommen reichen – und genau so hat es auch angefangen. Nur fällt es uns erstaunlich schwer, an diesem Punkt aufzuhören.
Wenn wir uns für ein Gericht entscheiden, möchten wir verstehen, was es wirklich gut macht. Wir recherchieren, probieren aus, vergleichen, verbessern Abläufe und vertiefen unser Wissen. Mit der Zeit kommt das passende Werkzeug und Gerätschaften dazu, aus einzelnen Versuchen wird Erfahrung – und Dinge, die man problemlos fertig einkaufen könnte, entstehen plötzlich bei uns selbst.
Dass einige Kollegen ähnlich ticken, macht die Sache nicht unbedingt vernünftiger. Neue Ideen und unterschiedliches Wissen kommen zusammen, man spornt sich gegenseitig an und die Messlatte wandert beim nächsten Mal wieder ein Stück nach oben.
Das eigentlich Kuriose daran: Für die Braufabrik müssten wir das alles gar nicht tun. Wir wollen es aber.
Beim Essen führt uns das inzwischen in eine spannende Richtung. Die Braufabrik ist eine Brauerei mit Brewpub – und das soll sie auch bleiben. Gleichzeitig hat sich die Küche längst über ihre ursprüngliche Rolle als Begleitung zum Bier hinausentwickelt.
Wohin das führt, wissen wir selbst noch nicht so genau.
Bis dahin machen wir vermutlich einfach weiter.
Die Braufabrik heute
Aus dem gemeinsamen Brauraum, den wir 2017 gesucht haben, ist bis 2026 ziemlich viel geworden: eine kleine Brauerei, ein Brewpub, eine immer ambitionierter gewordene Küche und mit JazzFabrik und JassFabrik zwei eigene Veranstaltungsreihen.
Vieles hat sich verändert. Was geblieben ist, ist unsere Neugier – und wahrscheinlich eine gewisse Unfähigkeit, interessante Dinge einfach bei «gut genug» zu belassen.
Wir schauen gerne, was andere machen und was sich beim Bier, beim Kochen und anderswo entwickelt. Dem aktuellen Trend von weiniger alkoholhlatigen Getränken haben wir mit eingenen Craft-Limmos und alkoholfreien Bier auch Rechnung getragen. Wir übernehmen Neues, wenn es uns überzeugt, verbessern Dinge, wenn wir Potential sehen, und lassen anderes bewusst so einfach, wie es ist.
Dabei soll die Braufabrik trotz allem kein durchinszenierter Gastronomiebetrieb werden. Sie ist ein Ort, den wir selbst gerne haben möchten: gutes Bier, gutes Essen, interessante Menschen, etwas Kultur und genügend Raum für die nächste Idee, die ursprünglich niemand vorgesehen hatte.
Dass daraus einmal all das entstehen würde, war definitiv nicht der Plan.
Aber vielleicht ist genau das die Braufabrik.
Freunde, Kultur und Bier.